1. BC Saarbrücken-Bischmisheim

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Sportarten: Badminton
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Der BC Bischmisheim verteidigt seinen Meister-Titel

Datum: 23.04.2007 , Sportart: Badminton

Endspiele um die Deutsche Badminton Mannschafts-Meisterschaft

Langenfeld. Vladislav Druzhchenko riss triumphierend die Faust in die Höhe. Und plötzlich stand das Langenfelder-Mixed ohne Gegner da. Kristof Hopp und Kathrin Piotrowski rannten auf den Nebenplatz: Soeben hatte Druzhchenko den Matchball zum 13:21, 21:10, 21:15-Erfolg über seinen Widerpart Przemyslaw Wacha vom FC Langenfeld verwandelt. Danach wurde der Ukrainer in Diensten des BC Saarbrücken-Bischmisheim unter einer Spielertraube begraben. Der Jubel bei den mitgereisten Schlachtenbummlern kannte keine Grenzen. Die Titelverteidigung der Saarländer war perfekt.

Bis dato - alles nur ein Vorgeplänkel. Seit dem 1. Oktober 2006 arbeitete die Badminton-Bundesliga auf die Entscheidung hin. Und jetzt ging der Kampf um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft erst richtig los. Der FC Langenfeld hatte beim Kampf um den Titel alle Trümpfe in der Hand. Doch die Mannschaft des BCB machte das Unmögliche möglich! Rückblende: Der Titelverteidiger 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim verlor am Tag zuvor das erste Play-Off Finalspiel um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft auf heimischen Boden mit 3:5 gegen die Rheinländer. Lediglich das erste Herrendoppel mit Michael Fuchs/Kristof Hopp, das Dameneinzel mit Huaiwen Xu und das dritte Herreneinzel mit Jochen Cassel bescherten dem BCB Punkte. Wie schon im Ligaspiel musste der BCB eine empfindliche Niederlage einstecken. Ein grandioser Auftritt der Langenfelder ließ die Hoffnung auf eine Titelverteidigung des BCB auf ein Minimum sinken. Die 800 Fans in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle gaben auf ihre Lieblinge kaum noch einen Pfifferling. Jedoch bei den Spielern des BC Bischmisheim sah man keine große Niedergeschlagenheit. Ahnten sie, was da noch kommen sollte? „Wir greifen in Langenfeld voll an und wenn es nicht klappt, können wir morgen immer noch heulen“, sagte Mannschaftsführer Thomas Tesche nach dem Spiel. Noch am Samstag bezog die Mannschaft ihr Hotel in der Nähe von Bonn. Vor dem Schlafengehen wurde bei einem kleinen Umtrunk die Taktik für den nächsten Tag ausbaldowert. Eine Umstellung sollte es geben: Jochen Cassel wurde für seinen Auftritt gegen Andreas Wölk geschont und tauschte seinen Platz im zweiten Herrendoppel mit Vladislav Druzhchenko.

Sonntag, 14 Uhr, Sporthalle am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Langenfeld: 600 Fans bereiteten ihren Badminton-Helden zum großen Showdown einen würdigen Empfang. Der Bär war erlegt, jetzt ging es nur noch ans Verteilen der Beute. Eine fatale Einstellung, denn der BCB war heiß auf das Match und bis in die Haarspitzen motiviert! Ganz nach dem Motto: Du hast keine Chance, also nutze sie. Wie schon am Vortag konnten Kristof Hopp und Michael Fuchs das erste Herren-Doppel gegen Björn Joppien und Przemyslaw Wacha mit 21:12, 21:15 für sich entscheiden. Kein Beinbruch – dachten sich die Langenfelder. Dann aber der entscheidende Knackpunkt: Das polnische Weltklasse-Duo Nadiezda Kostiuczyk und Kamila Augustyn verlor ihr Spiel gegen Huaiwen Xu und Kathrin Piotrowski mit 13:21, 18:21. Damit hatten die Rheinländer nicht gerechnet - damit konnte man auch nicht rechnen. Sind die Danish-Open-Gewinnerinnen aus Polen immerhin die Nummer Zwölf in der Welt. Aber: Aggressive Schmetterbälle und butterweiche Lobs - so zwingt man Favoriten in die Knie. Die Langefelder wirkten müde, das Spiel in Saarbrücken hatte sie augenscheinlich viel Kraft gekostet.

2:0 führte der BCB nun in der Höhle des Löwen. In der Halle wurden die Langenfelder Fans immer ruhiger und die rund 50 mitgereisten Fans aus dem Saarland hatten plötzlich Oberwasser. Als dann noch das zweite Herrendoppel mit Thomas Tesche und Vladislav Druzhchenko gegen die äußerst nervös agierenden Langenfelder Thorsten Hukriede/Mike Joppien mit 17:21, 21:11, 21:13 gewann, dämmerte es einigen in der Halle: Der BCB brauchte nur noch zwei Punkte, denn sobald die Saarländer den fünften Punkt machen würden, wären sie aufgrund des besseren Satzverhältnisses durch. Einen Punkt für den BCB würde das Dameneinzel mit Huaiwen Xu sicher bringen. Und dann müsste die Heimmannschaft schon alle vier ausstehenden Partien gewinnen – eine verwegene Kalkulation. Langenfelds Einzel-Ass Björn Joppien verkürzte in einem packenden Dreisatzmatch gegen Bischmisheims Nummer Eins Holvy de Pauw auf 1:3. Wobei der siebenfache Deutsche Meister von den bisherigen Geschehnissen sichtlich geschockt wirkte: Anders ist eine Niederlage mit 21:8 im ersten Satz nicht zu erklären.

Xu machte gegen Carola Bott mit 21:5, 21:15 den erwarteten vierten Punkt. Nun erwartete der BCB-Anhang, dass die Mixed-Spezialisten Kristof Hopp und Kathrin Piotrowski den ersehnten fünften Punkt gegen Mike Joppien/Nadiezda Kostiuczyk machen würden. So konzentrierten sich alle Augen auf den ersten Court, wo die BCBler den ersten Satz mit 21:16 gewinnen konnten und die Langenfelder den zweiten mit 21:17 für sich entschieden. Jetzt war richtig Stimmung in der Bude, denn auch die Langenfelder-Fans erwachten aus ihrem Schockzustand und feuerten ihre Spieler mächtig an. Doch die wahre Musik wurde beim parallel laufenden Match Vladislav Druzhchenko gegen Przemyslaw Wacha gespielt. Eigentlich eine klare Angelegenheit für die aktuelle Nummer 22 der Weltrangliste Przemyslaw Wacha aus Polen. Aber was war bei diesem Finale schon klar? Der durch Rückenschmerzen gehandicapte Wacha wurde vom ukrainischen Federball-Rastelli überrollt. Ende gut, alles gut. Michael Fuchs ließ die Sektkorken knallen – denn an diesem denkwürdigen Tag dürfte er auch noch sein 25. Wiegenfest feiern.
Die sympathischen und sportlich sehr fairen Langenfelder zeigten in der Niederlage Größe und zollen dem jubelnden Sieger Respekt. „Mir war heute klar, dass es eng wird. Vor allem die Doppel waren ja immer knappe Entscheidungen. Und ich hatte heute Morgen schon so ein ungutes Gefühl – besonders was das Damendoppel betraf“, sagte Langenfelds Ausnahme-Spieler Björn Joppien nach dem Spiel. „Ein angeschlagener Boxer ist halt immer gefährlich und man sollte ihn nie unterschätzen – vor allem nicht, wenn er großes Potenzial hat. Wir erlebten 2004 bei unserer Meisterschaft gegen Beuel ja ähnliches. Natürlich wäre ich gerne Meister geworden, aber Vize-Meister ist auch was. Ich bin nicht am Boden zerstört, ich ärgere mich nur, dass wir gestern mit einem 6:2 nicht den Sack zugemacht haben. Die Möglichkeit war da“, so Joppien weiter. BCB-Kapitän Thomas Tesche zum Spiel: „Wir spürten, dass da heute was zu holen ist. Wir waren aggressiver und hatten nichts zu verlieren. Und dann bekam das Spiel so seine eigene Dynamik. Noch bevor die Langenfelder wussten, was da gerade geschieht, hatten wir sie schon überrollt. Wenn es mal läuft, dann läuft es eben.“

Ausblick: In all den Jubel mischte sich auch ein wenig Wehmut. Kathrin Piotrowski wird den BCB verlassen. Sie wechselt, um sich stressfreier auf Olympia vorzubereiten, zum Regionalligisten nach Wesel. Zur Saison 2008/09 will sie aber wieder nach Bischmisheim zurückkehren. Piotrowskis sportlicher "Seitensprung" soll durch den schwedischen Neueinkauf Johanna Persson aufgefangen werden.

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