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Vor über 2 Jahren von Christoph in Fussball
Tags: Bayer Leverkusen, Doppelmoral, Fußball Bundesliga, Wolfgang Holzhäuser, bruno labbadia, bundesliga, jupp heynckes

Über Ideale und Doppelmoral. Kommentar von Reinhard Schüssler

Essen (ots) - Angesichts der aktuellen Vorgänge auf dem Trainermarkt empörte sich der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser: "Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundsätzen nicht mehr vereinbar."

Was will der gute Mann uns damit sagen? Anders gefragt: Sind
Elefanten groß? Können Vögel fliegen? Sind die Bayern arrogant?
Gehört Chaos zu Schalke? Schlägt Assauer Frauen?

Schlimm genug, dass Spieler und neuerdings auch Trainer gnadenlos
und unter Ausnutzung jeglichen Erpressungspotenzials ihren Vorteil
suchen. Noch ärgerlicher allerdings ist in diesen von Profitsucht
geprägten Zeiten die Heuchelei und Scheinheiligkeit. Das nächstbeste
Angebot wahrzunehmen und auf Verträge wie öffentliche
Treuebekenntnisse zu pfeifen, ist eine Sache. Uns mit Gesäusel zu
nerven, im Herzen würden sie immer ein (hier ist jeder Vereinsname
einsetzbar) bleiben, eine andere.

Die Klubs wiederum täten gut daran, nicht die beleidigte
Leberwurst zu spielen, bloß weil die jahrelang von ihnen wie leicht
verderbliche Ware behandelten Trainer plötzlich mit gleicher Münze
zurückzahlen.

Wenn Wolfgang Holzhäuser, der vor einem Jahr Bruno Labbadia in
Fürth aus einem laufenden Vertrag her-ausgeholt hat, nun die gleiche
fragwürdige Vorgehensweise beim HSV anprangert, entbehrt dies nicht
einer gewissen Komik. Ist aber ebenso peinlich wie die Moralpredigt
von Jupp Heynckes, der bei seiner Vorstellung als Bayer-Trainer über
seine vertragsbrüchigen Kollegen herzieht und nebenbei die
Verpflichtung des noch in Nürnberg angestellten Peter Hermann als
Co-Trainer bekanntgibt.

Hinweise auf solche Doppelmoral lösen reflexartig den Einwand
aus, der Sport sei nun einmal ein Spiegelbild der Gesellschaft. Aber
damit macht man es sich zu einfach. Verdienten es die Ideale des
Sports wie Fair Play und Teamgeist doch heute mehr denn je, Vorbild
für andere Bereiche des Lebens zu sein. Werden sie so schmählich
verraten wie derzeit vom Profifußball, zeigt dies auch Wirkung
außerhalb des Sports. Und das kann niemandem gefallen.

Quelle: ots, WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Kommentar von Reinhard Schüssler


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